Warum das Sterben der Millionen,
der Milliarden –
das viele, sich wiederholende Sterben
bis hin zum gänzlichen Erlöschen
des Lebens in einer nicht allzufernen Zukunft des Planeten?

Weil es vielleicht der vom omnipräsenten Tod,
vom über alles herrschenden Nichtleben
erzwungene Kompromiss war,
der Tribut,
den der angesichts
der endlosen Kältekammer des Weltalls
forsche, ja dreiste
Funke Leben auf der Erde
zu entrichten hat.

Warum all die starren,
nicht endenwollenden,
leidvollen Kämpfe?
Die sich
dauernd, dauernd
regende Gewalt,
die von Wesen zu Wesen springt
wie die körperlose Urform eines Raubtiers
(das aber immer mehr ist als ein Tier, dann, wenn es hasst)?

Das sich alle Glieder, alle Stimmbänder, alle Trommelfelle und Herzen
dieser Erde einverleibt,
Schneisen schlägt
durch friedlich wabernde Stunden,
Gesundheiten zerschmettert,
Haare zerrauft?

Vielleicht ist die Heftigkeit,
die Lautstärke
Programm,
vielleicht Notwendigkeit
in der kosmischen Friedhofsstille ringsum,
gegen die in Agonie aufzuschreien
die einzig legitime Sprache
des zurückgedrängten Lebens ist,
der irrfahrend schreiende Kontrapunkt.
Denn es geht wohl nicht um das einzelne
Zeter und Mordio,
nur um die Gesamtsumme des auditiven Schrillens,
des sicht- und unsichtbaren Blendens,
des tausendjährig olfaktorischen Infernos, –
damit im kosmischen Nichts,
im Löschschaum kakophonen Schweigens,

eine
Note
klingt.

 Lesung im Rationaltheater München, 07.04.2016